Einführung zur Ausstellung "Aller Augen warten.."


Oliver Kelm im Februar 2014:

 

Gleich im Titel begegnet uns zum ersten Mal die Haltung der Künstlerin. Es ist ein Warten auf das was das Leben bringt. Etwas Neugier ist mit im Spiel. Aber auch ein Erwarten. Andrea ist mit den Verhältnissen in der Welt nicht unbedingt zufrieden. Alles könnte noch besser werden. Sie erwartet das Gute. Vielleicht wartet sie auch auf Erlösung. Nicht, dass sie die Hände in den Schoß legt. Aber sie geht davon aus, dass sich am Ende alles fügen wird. Zugegeben, die Künstlerin vermutet ein offenes Ende; aber dazu später.

Den Ausstellungstitel muss man natürlich im christlichen Kontext lesen und das führt uns zum Thema der vorgestellten Bilderserie „Vater Unser“.

Der Vorgang des Betens begegnet uns häufig in der abendländischen Kunst. Man denke nur an Albrecht Dürers betende Hände. Dass jedoch die einzelnen Strophen eines Gebetes behandelt werden, ist eher selten. Andrea arbeitet bereits seit Sommer 2012 an der Herstellung der Serie. Damals hat sie sich die Umsetzung versprochen, jedoch beschäftigt sie das Thema seit der Schulzeit. Es sind die Schlagworte, die als Titel der Bilder dienen. Das Brot, die Versuchung oder Himmel und Erde.

Ein Gebet ist eine sehr persönliche, subjektive Sache, aber bestimmt als erste Kontaktaufnahme mit dem Spirituellen zu sehen. Wenn sich auch die Worte gleichen, sind die dazu gedachten Bilder individuell.

Die technische Umsetzung geschieht in Acrylmalerei auf Leinwand. Die Vorlagen kommen aus Zeichnungen, Fotografien und dem Internet. Teilweise dienen lebende Personen als Modell. Die einzelnen Elemente werden fast collageartig im Bild zusammengesetzt. So schafft Andrea einen engen Bezug zum Hier und Jetzt. Oft begegnet uns ein Pinselduktus der etwas Tänzerisches hat und an Andreas Landschaftsmalerei erinnert. Ganz sicher handelt es sich nicht um eine illusionistische Malerei. Es wird nichts vorgetäuscht, sondern beschrieben. Das tritt sehr deutlich an den Stellen zu Tage, wo die Leinwand leer gelassen ist. Und zu dieser Leere kommen wir jetzt.

Herausheben möchte ich das letzte Bild der Serie, das „Amen“. Man sieht eine leere Leinwand. Genauer, eine freigelassene Leinwand. Sie beschreibt noch nicht einmal etwas, sondern lässt alles zu. Für die Künstlerin ist das Amen die Bestätigung des Vorangegangenen. Es ist nichts neues, sondern die Akzeptanz von allem.

Amen zu allem?! Ein sich hineinfinden, wie Tiere und Pflanzen in ihr Schicksal? Vielleicht war so das Paradies. Alles ist Gottgegeben. Keine Notwendigkeit mehr zu malen. Das Ende der Kunst! Die leere Leinwand.

Aber wir sind Menschen. Wir hinterfragen und machen weiter. Ich wünsche mir, dass Andrea Interschick weiter macht.


Einführung zur Ausstellung "Mit Adleraugen?"


Zur Malerei von Andrea Interschick,

Sven Schalenberg im Januar 2012:

 

Wenn wir wieder eine neue Ausstellung besuchen,

so erwarten wir, vom Künstler mitgenommen zu werden,

in eine ganz eigene Gedankenwelt, und dabei teilzuhaben an fremder Weltsicht,

und vielleicht sogar eindringen zu dürfen, in sein Inneres und Intimes.

Mit Adleraugen prüfen wir das Vorgelegte,

und erwarten doch für uns auch eine Art Sehhilfe, eben durch die neu vorgelegten Bilder.

Nun hat sich Andrea Interschick mutig zum Adler gemacht - und uns Betrachter auch.

Im Blick der kleinen Malerin“ hieß ihre zweite Ausstellung und nun ist wieder das „Sehen“ im Titel.

Im Blick der kleinen Malerin“, heißt auch ihr Lieblingsbild, welches auch wieder dabei ist.

Und wir, die Besucher, dürfen nun auch am Blick der Malerin partizipieren.

Wir sehen, was unsere Malerin in den Blick nimmt und was sie dann mit-teilen möchte.

Mit Adleraugen!

Andrea Interschick zeigt uns heute Bilder,

in denen Menschen einen besonders engen Bezug zur Natur haben.

Besonders kommen darin ihre Erlebnisse einer Reise nach Venezuela zum Vorschein.

Alexander von Humboldt hat schon Ähnliches beschrieben.

Dabei war sie, unter anderem, drei Tage mit dem Boot im Orinocodelta unterwegs

und hatte engen Kontakt zu den Warao-Indianern.

Die Hotelzimmer waren Pfahlhütten (Bild Lebensbaum).

Mit dem Boot und einem Führer gab es Touren zu Tieren und Pflanzen (Bild Wasserkakao und Vaterfluss), und die Bedeutung und Funktion für die Warao wurden erklärt.

Wenn ein Warao eine Frau beeindrucken will, pflückt er eine noch geschlossene Blüte des Wasserkakao, die wie eine Schote aussieht. Schneidet man die Spitze ab, fallen die äußeren Blätter herunter und die Blüte öffnet sich schön. (Bild Wasserkakao)

Beim Seifenbaum kann man die Blätter pflücken, zwischen den Händen zerreiben und hat dann eine wunderbar grünen Schaum mit dem man sich waschen kann. (Bild Seifenbaum)
Die Moriche-Palme nennen die Warao-Indianer „Lebensbaum“ weil er fast alles liefert was sie zum Leben brauchen. Hängematten, Holz für Hausbau und Boote, Früchte, und ein stärkehaltiges Pulver, das zu einer Art Brot verarbeitet wird. Fast alles liefert diese Palme. (Bild Lebensbaum)
Die Natur ist voller Schönheit und Gefahren.

Nicht alle Arten der dortigen Piranjas sind lebensgefährlich und blutrünstig. Man kann sie auch angeln und essen. Sie schmecken gar nicht so schlecht, sagt Andrea. Da es im Winter nicht so viele Piranjas gibt, konnte sie in der Flussmitte ohne Probleme schwimmen gehen. (Bild Piranjas und Co)
Auch im Wasser neben dem Boot der Verliebten (Bild Wasserkakao), schwimmt ein kleiner Alligator,

der Menschen wohl eher nicht angreift, aber man muss sich schon umschauen, bevor man ins Wasser springt.
Der Fluss Orinoco, was in der Warao-Sprache „Vaterfluss“ heißt, (Bild Vaterfluss)

bildet mit seinem unzähligen Armen das Verkehrsnetz der Indianer,

die auch nicht etwa am Aussterben sind, sondern deren Bevölkerungszahl steigt.
Trotzdem ist deren Welt natürlich nicht das Paradies, in dem alle völlig sorglos sind und nur darauf warten dass ihnen alles in den Schoß fällt.

Der Dschungel von Venezuela ist weit weg von uns.

Die Warao haben zweifellos eine enge Beziehung zur Natur.
Aber wie sieht es mit uns hier, im dicht besiedelten und seit Jahrhunderten auf jedem Fleck bewirtschafteten Deutschland aus? Welche Beziehung haben wir zur Natur? Wie könnte sie sein? Andreas Bilder träumen davon, unsere Kluft zur Natur zu überwinden.

Um dazu Erfahrungen zu sammeln, hat sie auf Schloss Freudenberg bei Wiesbaden einen sogenannten Wildniskurs absolviert, um Vertrauen in die Wildnis zu gewinnen und ein paar Überlebenstechniken zu lernen. Der Kursleiter war bei Indianern und Aborigine-Lehrern gewesen.

Bei den sogenannten Naturvölkern gibt es das Wort „überleben“ gar nicht.

Sie sagen, entweder man lebt oder man stirbt. Sie gehen vor allem mit Vertrauen in die Natur.

Aber was wissen die Fische von den Sternen?

Ein Sternenhimmel ist auch in dem Bild „Geborgenheit“ zu sehen.
Eine Laubhütte wie die, in der der junge Mann schläft, haben die Teilnehmer auch gebaut. (Bild)

Man muss dafür auch keinen Baum fällen. Man braucht kein Werkzeug.
Eine weitere Übung war, dass man sich auf den Boden setzt, um die Geräusche und andere Sinneseindrücke besser aufnehmen zu können. Wenn man sich ruhig verhält kommen nicht nur einige Vögel wieder aus ihren Verstecken. Dabei hatte Andrea irgendwann das Gefühl von einem ganzen Kosmos lauter verschiedener Lebewesen umgeben zu sein. Andrea hat sich dann auch, so wie in dem Bild „Bodennähe und Wipfelhöhe“, hingelegt und in die Baumkronen geschaut.
Barfuß war die Schleichübung über den Waldboden sinnesöffnend. Wenn man richtig gut schleichen kann, entdeckt man vielleicht auch ein Reh, so wie in dem Bild „Vision und stiller Begleiter“.
Beim Malen des Rehs, dachte Sie auch an steinzeitliche Höhlenmalereien.
Der "Begleiter" ist ein später entdeckter Adler, in der Bildecke, unten rechts, der eigentlich ein Ast sein sollte.

Er spricht nun von den geheimen Botschaften, der Psychologie in der Malerei.
Vom Krafttier bei Indianern und Kelten, bis zum Symbol für den Evangelisten Johannes

und sogar für Jesus, gehen Interpretationen.
Daher kommt auch der Titel der Ausstellung „Mit Adleraugen?“.

Wie nah sind wir eigentlich dran, die Welt mit solchen Adleraugen zu sehen?

Vielleicht ist die sprichwörtliche Sehschärfe auch nur ein Teil des Adlerblicks....

Danach begann sie auch „bewusst“ einen Adler zu malen.

So ist das Bild „Ernährer und Familienmitglied“ entstanden.

Bei Beziehungen zwischen Adlern und Menschen, stieß sie auf die Adlerjäger in Kasachstan.

Einige Kasachen gehen im Winter mit dressierten Adlern auf Fuchs- und Hasenjagd.

Das Tier wird hoch in Ehren gehalten, weil es einen Teil zum Familieneinkommen beiträgt.

Andrea Interschicks Thema ist die Beziehung zwischen Natur und Mensch.

Ihre malerische Handschrift beschreibt Kurven.

Die Kurven von Andrea schauen wir gerne an.
Die Vorbereitung eines Bildes dauert länger, als das schnellere Malen an sich.

Damit kriegt sie die Kurve, im doppelten Sinn.

Ihr Malstil wird immer freier und entschiedener, weil sie nicht zu genau malen muss.

So wirken die Bilder leicht und auch ein wenig flüchtig,

vielleicht ein bisschen wie eine Felszeichnung....
Im (Bild) „Blick der kleinen Malerin“ sind zwei Ziele.

Das erste ist der Aufstieg ,

der Aufstieg über einen bunt gepflasterten Bergweg.

Der Weg verschwindet in der Mitte in einer herzförmigen Wolke,

taucht wieder auf und schraubt sich zum schneebedeckten Grat,

um über der Kuppe zu verschwinden.

Was mag dahinter sein? Ein Absturz? Das gelobte Land?

Der Gipfel ist eh nicht zu sehen und außerhalb des Bildes.

Es geht demnach nicht so sehr um Ehrgeiz.

Aber die Höhe ist ihr wohl doch wichtig, denn sie bewegt sich nicht im Flachland.

Im Blick der kleinen Malerin ist aber auch der Betrachter, der Andere, Wir.

Sie schaut sich nämlich zu uns um.

Hier wird also Kommunikation gesucht.

Die Last, welche schwer erscheint, wird scheinbar froh und gerne geschultert.

Was wir sehen und dann für uns beurteilen,

ist vor aller inhaltlichen Botschaft, aber die malerische Form bei Andrea Interschick.

Wichtiger, als das „Was“, ist uns das „Wie“, wird das Entdecken des „Besonderen“.

Die gut gemeinte Botschaft des Bildes ist nichts Neues!

Und so fragt sich: Gibt es hier neue Lösung im Malerischen?

Die Antwort müssen unsere Adleraugen gemeinsam nun finden…

Die formalen Lösungen, die Andrea Interschick einsetzt, sind hierbei teils naiv und zugeflogen,

aber von der kleinen Malerin erwählt, und damit deshalb nicht weniger gültig.

Häufig kann die Entdeckung von Farben und Formen aus einer Lebenskrise führen,

kann Einem Trost geben, kann einem neue Ziele geben

und dann über die Mitteilung zum Anderen, das Zeigen und Ausstellen,

wieder offen hinleiten zur Gemeinschaft, zu einer Art „Über-Ich“, zum Selbstlosen.

Ähnlich, sagt sie, habe sie auch den Weg in die alte Religion neu gefunden.

Das Ziel ist vielleicht das Gleiche:

Staunen an der Schöpfung und dankbares Teilen.

Theilhard de Chardin, der Jesuitenpater beschreibt das so:

Wenn deshalb jemand , Gottes wegen; in sich das Gebäude einer sublimen Liebe errichten will,

muss er vor allem seine Sinne verfeinern.

Durch den klugen und doch eifrigen Umgang mit den ergreifendsten Realitäten

muss er in sich sorgfältig das Gefühl, die Schau, den Geschmack der Allgegenwart nähren,

die alle Dinge in der Natur umschimmert.

Unter diesem einzigen greifbaren Stoff erscheinst Du uns (Gott), entzückst uns und offenbarst uns nach und nach die Wunder Deines Daseins unter uns.“

dankbares Staunen… hier, wie da…

Titel wie "Umarmte Welt" zeugen davon.

Der bunte Weg von Andrea Interschick begann mit 2004 mit Ölmalerei und der Kopie von Vermeers Mädchen mit der Perle. Diese Perle ist hier zwar nicht gezeigt, doch fällt auf, dass Kreise, Perlen, Kirschen, Seifenblasen, Holunderbeeren, und überall Rundungen die meisten ihrer Bilder bestimmen.

Hier kreist und kreißt eine Malerin

und gebiert Bilder.

Schon bei unserer ersten Begegnung im Atelier eines Kollegen,

spürte ich ihren großen Hunger nach Allem, was mit Malerei zu tun hat.

Sehr ambitioniert saugt Andrea Interschick aufmerksam Alles auf, was ihr weiterhilft.

Sicher hat sie schon beim Vater gesehen, was künstlerische Persönlichkeit bedeutet.

Im Gegensatz zu manchen Malschülern sucht sie schnell und offensiv das große Format,

nimmt diese Herausforderung mutig an und fordert die Entdeckung des “Ihrigen“ im Gestischen.

Sie umkreist mit der runden weichen Spur ihren eigenen Duktus

und lässt mutig starke Kontraste am Rande der Gegenständlichkeit auf- und aneinander stoßen.

Dabei bleibt ihr noch immer das Ding im Sinn, ohne dass Logik und Schärfe sie zu sehr einschränken.

Die Malerin bezeichnet ihre Welt.

Stets unvollkommen - bleibt aber auch absolut Gültiges

Sie hat uns was zu sagen!

Den Inhalt kennen wir!

Was sie uns sagt ist:

Schön“!